Vom Ein-Mann-Betrieb zum führenden Spezialfertiger

In der Waschküche fing alles an

Heinrich Hussmann gründete den Familienbetrieb "Hussmann Drehtechnik" 1945. Bereits ab 1933 arbeitete er als Dreher im Lehrenbau der Union Fahrradteile, Fröndenberg. Wegen einer Behinderung war er wehruntauglich. In der Kriegszeit wurde Heinrich Hussmanns Arbeitsplatz 1943 nach der Möhnekatastrophe und der durch die Überschwemmung beschädigten Firma ausgelagert, so dass der spätere Gründer ab Mai 1943 im Auftrag der Union und auf deren Drehmaschine in der Waschküche seines Elternhauses in Fröndenberg-Hohenheide arbeitete.
1945, nach Kriegsende, kaufte Heinrich Hussmann dem Unternehmen die Drehbank ab und machte sich in einer neu errichteten kleinen Werkstatt hinter dem Elternhaus selbständig. Die industrielle Umgebung Fröndenbergs war neben der Fahrradteileproduktion einerseits geprägt von vielen heimischen Kettenschmieden, die 80 Prozent der deutschen Kettengliederproduktion lieferten, andererseits von der Hohenlimburger Kaltwalzindustrie, die noch heute 70 Prozent aller deutschen Kaltwalzerzeugnisse liefert. So fertigte das junge Unternehmen schon bald entsprechende Umformwerkzeuge.
Der Großraum Hohenlimburg/Hagen gilt als die Wiege der deutschen Draht- und Kaltwalzindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein bereits seit einigen Jahrzehnten bekanntes, aber noch wenig genutztes Walzverfahren in der hiesigen Umgebung industrialisiert: das Walzprofilieren. Das Verfahren war wegen seiner hohen Ausbringungsleistung für die Herstellung von Kaltprofilen schnell etabliert, und infolgedessen wuchs der Bedarf an Profilrollen stetig. So spezialisierte sich Heinrich Hussmann bereits Ende der Vierzigerjahre auf die Fertigung von Profilrollen für das Walzprofilieren.
In den folgenden Jahren investierte der Gründer kontinuierlich, so dass Anfang der Sechzigerjahre sieben Drehbänke, Säge, Hobelmaschine und vier Schleifblöcke auf einer Fläche von 80 Quadratmetern bei größter Enge aufgestellt waren. Die schweren Hebearbeiten über der Säge wurden mit einem Flaschenzug bewerkstelligt. Der Kundenstamm wuchs so stark, das ein Betriebsneubau dringend nötig wurde. 1968 bezog Hussmann Drehtechnik eine neue Produktionshalle am heutigen Standort mit einer Größe von 450 Quadratmetern.
In den 80er Jahren wurde die Technik durch die Integration von Computern in Werkzeugmaschinen revolutioniert: Die ersten CNC-Drehmaschinen wurden angeschafft, mit denen es nun möglich war, Radien form- und passgenau in kürzester Zeit zu drehen, wofür früher ein Dreher mit den Handrädern seiner Maschine, einer Feile, Schmirgel und Prüfschablonen viel Zeit benötigte. Mit dem Einzug der neuen Techniken ging die Firmenführung auf Hermann Hussmann über, dennoch blieb Heinrich Hussmann bis zu seinem Tode 2006 seiner Firma erhalten.
Nach einem Anbau im Jahr 2001 konnte 2008 die Büro-, Produktions- und Lagerfläche auf dem angrenzenden, neu erworbenen Grundstück auf insgesamt 1800 Quadratmeter erweitert werden. Hier stehen nun ein Lagerturm für die Bevorratung von 180 Tonnen Stahl, modernste Werkzeugmaschinen zur Herstellung von Profilrollen und Messmaschinen für die Qualitätssicherung.
Bereits seit Firmengründung genießt die Ausbildung einen hohen Stellenwert. Von 1950 bis heute haben 35 junge Männer hier ihre Lehre absolviert, aus denen mehrere Kammer- und Landessieger sowie vier Bundessieger hervorgingen.
Seit dem 1. Januar 2014 ist Christoph Hussmann in dritter Generation Inhaber des Familienunternehmens. Nach seiner Ausbildung zum Dreher absolvierte er ein Maschinenbau- und ein Wirtschaftsingenieur-Studium und ist seit 1998 im Unternehmen tätig.